SteveJ
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Als Multitalent der deutschen Unterhaltungsbranche prägte Harald Juhnke (1929-2005) über Jahrzehnte hinweg die Showlandschaft der Republik.
Sein Tod am 1. April 2005 hinterließ nicht nur in seiner Heimatstadt Berlin eine schmerzliche Lücke.
Deutschland verlor mit Harald Juhnke einen seiner brillantesten Showmaster...
Harald Juhnke war der Showstar, der Deutschland zum Lächeln brachte.
Er war Berliner. Er war Entertainer. Er war der deutsche Frank Sinatra.
Er war ein TV-Gigant aus einer guten älteren Zeit, als man (auch im Fernsehen) noch rauchte, trank und der Kater danach ein lieber Kollege war.
Er war Schlawiner und Lebenskünstler.
Aber er war eben auch ein Trinker und Alkoholiker...
Er trank, wie er lebte und lachte – grenzenlos. Barfuß oder Lackschuh. Sein Schatten war die Flasche. Sein Feind die Mini-Bar. 😟
Theater-Genie Bernhard Minetti (†93) über ihn:
"Wir hätten auch gerne deine Leichtigkeit! Wenn du lachst, dann lacht das Publikum, und wenn du weinst, dann weint es mit dir. Das ist ein Gottesgeschenk!“
Juhnke über sich selbst: “80 Prozent meiner Filme kannste vergessen, Scheißdreck.“
Aber er wurde auch gelobt und ausgezeichnet:
Lubitsch-Preis als Presse-Fuzzi in Helmut Dietls Kult-Komödie “Schtonk“ (1992). Jubel-Kritiken für Falladas “Der Trinker“. Theater-Erfolg als “Der Hauptmann von Köpenick“.
Er war zudem die deutsche Synchronstimme von Marlon Brando (†80), Richard Burton (†58), Peter Sellers (†54), Woody Allen (89), Charles Bronson (†81) und Peter Falk (†83).
Manch einer schmunzelt vielleicht auch noch bei seinen Kino-Hits von vorgestern, darunter:
“Wenn die Alpenrosen blühen“ (1955), “Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n“ (1961) und “Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ (1962).
Der Sohn eines Polizisten aus Berlin-Wedding lachte darüber:
"Wenn in den Fünfzigern das Telefon klingelte, interessierten mich nur drei Fragen:
Doch sein Schicksal war "König Quote".
Seine ZDF-Show-Premiere von "Musik ist Trumpf" (hatte er 1979 von Peter Frankenfeld übernommen) sahen 30 Millionen Fans.
59 Prozent Einschaltquote. 90 Prozent der Deutschen kannten ihn.
Doch auch hier beendete mutmaßlich der Suff eine Ära...
Vor der Freitags-Probe zur Sendung vom 17. Oktober 1981 aus Böblingen brach Juhnke an der Hotelbar stark alkoholisiert zusammen und musste sogar ärztlich versorgt werden.
Das ZDF ließ ihn nach Hause fliegen, begründete den Ausfall mit dem Tod seines Vaters und kündigte Das Schönste aus Musik ist Trumpf an, mit Ausschnitten aus der Ära Juhnke.
Mit der ZDF-Silvestershow Silvester-Trümpfe vom 31. Dezember 1981 endete die noch immer erfolgreiche Sendereihe dann endgültig.
Juhnke behauptete später, unzufrieden mit seinem Engagement gewesen zu sein und das Ende der Sendung daher absichtlich herbeigeführt zu haben.
Eine weitere bekannte Show von ihm war "Willkommen im Club" (1985-1991)
In seiner Berliner Lieblingskneipe "Diener" verliebte sich Juhnke 1970 in seine Traumfrau – Susanne Hsiao.
"Mir war, als hätte mich jemand mit Himbeergeist übergossen und ein Streichholz entzündet. Es gab einen Schlag. Ich war flambiert!“
Susanne Juhnke (heute 80) wurde sein Schutzengel. 30 Jahre Glück mit Kater.
"Es stand nicht in meiner Macht, Harald vom Trinken abzuhalten. Auf berufliche Höhenflüge folgte der Absturz.“
Mit 67 wurde Harald Juhnke plötzlich zunehmend vergesslich...
Susanne Juhnke: "Da passierte irgendetwas in seinem Gehirn. Und er hat es selbst gemerkt.
Er war der Hauptdarsteller in einer Tragödie, die zur unentrinnbaren Wirklichkeit wurde.“
Sein Hirn zerbrach in der Nacht des 10. Juli 2000. Er war 71 und drei Jahre nüchtern.
Er verließ gegen Mitternacht sein Hotel in Baden bei Wien und betrat die "Filou"-Bar. Er trank 10 doppelte Whiskys und 8 doppelte Wodkas!
Ein Privatjet flog ihn in die Psychiatrie nach Basel. Diagnose: Demenz. 😟
Seine Frau wurde zu seiner Pflegerin.
Endstation: Pflegeheim bei Berlin. Seine letzte Bühne ist 15 Quadratmeter klein.
Er murmelte Vers-Fetzen aus "Der Geizige“ von Molière und lebte in einem Labyrinth der Erinnerungen.
Der große Harald Juhnke starb schließlich am 1. April 2005.
Vor seinem Mahagonisarg in der Berliner Gedächtniskirche trauern 800 Freunde. Vor der Kirche weinen 1000 Fans.
Sein kongenialer Freund Thomas Gottschalk (heute 74) lächelte traurig:
"Dies ist die Woche, in der ein toter Märchenfürst aufgebahrt in Monaco liegt, in der wir den Nachfolger Petri zu Grabe getragen haben und in der wir uns von Deutschlands größtem Entertainer verabschieden müssen.
Fast scheint es, als sei der liebe Gott es leid gewesen, sich im Himmel unter seinem Niveau amüsieren zu müssen.“
Anmerkung: Papst Johannes Paul II. war einen Tag nach Juhnke gestorben. Fürst Rainier III. von Monaco (†81) fünf Tage später...
-----------------------
Ein ambitioniertes Vorhaben zur filmischen Würdigung des legendären Entertainers musste bereits im Vorfeld aufgegeben werden.
Das jahrelang vom RBB vorangetriebene Projekt eines biografischen Zweiteilers scheiterte 2021 an der Finanzierung.
Wie der Sender gegenüber der "Bild am Sonntag" erklärte, wurde die Produktion "auf unbestimmte Zeit verschoben", da die Kosten trotz eines überzeugenden Skripts "den finanziellen Rahmen weit überschritt".
Kurz vor dem 20. Todestag des Künstlers initiierte das Bezirksparlament Charlottenburg-Wilmersdorf einen Eilantrag zur Umbenennung einer Ecke des Kurfürstendamms nach dem berühmten Entertainer.
Die angestrebte zeitnahe Realisierung erwies sich jedoch aufgrund bürokratischer Hürden als nicht umsetzbar... 🙈
Nach Informationen des "Tagesspiegel" erläuterte das Bezirksamt die aktuelle Situation wie folgt:
"Da es sich um eine Teil-Umbenennung des Kurfürstendammes handelt, muss zunächst die genaue Fläche festgelegt werden, die dem Harald-Juhnke-Platz zugeordnet werden soll."
Zusätzlich bedürfe es der Zustimmung weiterer Bezirke sowie einer dreimonatigen Bekanntmachung im Amtsblatt.
Mit der offiziellen Einweihung sei daher frühestens in etwa fünf Monaten zu rechnen...
Deutlich erfolgreicher gestaltet sich die kulturelle Würdigung des Entertainers durch die Berliner Kunstszene.
Zahlreiche Prominente, darunter Ben Becker, Daniela Ziegler, Dieter Hallervorden und Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit, versammeln sich am 1. April im traditionsreichen "Wintergarten" zu einer festlichen Gedenkgala.
Die Moderation übernimmt der Schauspieler und Sänger Felix Martin, ein ausgewiesener Verehrer des verstorbenen Künstlers.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner wird bei den Feierlichkeiten erwartet.
In seiner offiziellen Stellungnahme würdigte er den Verstorbenen:
"Harald Juhnke war einer der größten Entertainer Deutschlands und ist als Schauspieler, Sänger und Showmaster in Berlin unvergessen.
Mit seinem Witz und seiner Nonchalance hat er sich in die Herzen von Millionen von Menschen gespielt."
Sein Tod am 1. April 2005 hinterließ nicht nur in seiner Heimatstadt Berlin eine schmerzliche Lücke.
Deutschland verlor mit Harald Juhnke einen seiner brillantesten Showmaster...
Harald Juhnke war der Showstar, der Deutschland zum Lächeln brachte.
Er war Berliner. Er war Entertainer. Er war der deutsche Frank Sinatra.
Er war ein TV-Gigant aus einer guten älteren Zeit, als man (auch im Fernsehen) noch rauchte, trank und der Kater danach ein lieber Kollege war.
Er war Schlawiner und Lebenskünstler.
Aber er war eben auch ein Trinker und Alkoholiker...
Er trank, wie er lebte und lachte – grenzenlos. Barfuß oder Lackschuh. Sein Schatten war die Flasche. Sein Feind die Mini-Bar. 😟
Theater-Genie Bernhard Minetti (†93) über ihn:
"Wir hätten auch gerne deine Leichtigkeit! Wenn du lachst, dann lacht das Publikum, und wenn du weinst, dann weint es mit dir. Das ist ein Gottesgeschenk!“
Juhnke über sich selbst: “80 Prozent meiner Filme kannste vergessen, Scheißdreck.“
Aber er wurde auch gelobt und ausgezeichnet:
Lubitsch-Preis als Presse-Fuzzi in Helmut Dietls Kult-Komödie “Schtonk“ (1992). Jubel-Kritiken für Falladas “Der Trinker“. Theater-Erfolg als “Der Hauptmann von Köpenick“.
Er war zudem die deutsche Synchronstimme von Marlon Brando (†80), Richard Burton (†58), Peter Sellers (†54), Woody Allen (89), Charles Bronson (†81) und Peter Falk (†83).
Manch einer schmunzelt vielleicht auch noch bei seinen Kino-Hits von vorgestern, darunter:
“Wenn die Alpenrosen blühen“ (1955), “Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n“ (1961) und “Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ (1962).
Der Sohn eines Polizisten aus Berlin-Wedding lachte darüber:
"Wenn in den Fünfzigern das Telefon klingelte, interessierten mich nur drei Fragen:
- Wie hoch ist die Gage für den Quatsch?
- Wie hübsch sind meine Partnerinnen?
- Wo wird der Heuler heruntergespult und wie sonnig ist es dort?“
Doch sein Schicksal war "König Quote".
Seine ZDF-Show-Premiere von "Musik ist Trumpf" (hatte er 1979 von Peter Frankenfeld übernommen) sahen 30 Millionen Fans.
59 Prozent Einschaltquote. 90 Prozent der Deutschen kannten ihn.

Doch auch hier beendete mutmaßlich der Suff eine Ära...
Vor der Freitags-Probe zur Sendung vom 17. Oktober 1981 aus Böblingen brach Juhnke an der Hotelbar stark alkoholisiert zusammen und musste sogar ärztlich versorgt werden.
Das ZDF ließ ihn nach Hause fliegen, begründete den Ausfall mit dem Tod seines Vaters und kündigte Das Schönste aus Musik ist Trumpf an, mit Ausschnitten aus der Ära Juhnke.
Mit der ZDF-Silvestershow Silvester-Trümpfe vom 31. Dezember 1981 endete die noch immer erfolgreiche Sendereihe dann endgültig.
Juhnke behauptete später, unzufrieden mit seinem Engagement gewesen zu sein und das Ende der Sendung daher absichtlich herbeigeführt zu haben.
Eine weitere bekannte Show von ihm war "Willkommen im Club" (1985-1991)
In seiner Berliner Lieblingskneipe "Diener" verliebte sich Juhnke 1970 in seine Traumfrau – Susanne Hsiao.
"Mir war, als hätte mich jemand mit Himbeergeist übergossen und ein Streichholz entzündet. Es gab einen Schlag. Ich war flambiert!“
Susanne Juhnke (heute 80) wurde sein Schutzengel. 30 Jahre Glück mit Kater.
"Es stand nicht in meiner Macht, Harald vom Trinken abzuhalten. Auf berufliche Höhenflüge folgte der Absturz.“
Mit 67 wurde Harald Juhnke plötzlich zunehmend vergesslich...
Susanne Juhnke: "Da passierte irgendetwas in seinem Gehirn. Und er hat es selbst gemerkt.
Er war der Hauptdarsteller in einer Tragödie, die zur unentrinnbaren Wirklichkeit wurde.“
Sein Hirn zerbrach in der Nacht des 10. Juli 2000. Er war 71 und drei Jahre nüchtern.
Er verließ gegen Mitternacht sein Hotel in Baden bei Wien und betrat die "Filou"-Bar. Er trank 10 doppelte Whiskys und 8 doppelte Wodkas!
Ein Privatjet flog ihn in die Psychiatrie nach Basel. Diagnose: Demenz. 😟
Seine Frau wurde zu seiner Pflegerin.
Endstation: Pflegeheim bei Berlin. Seine letzte Bühne ist 15 Quadratmeter klein.
Er murmelte Vers-Fetzen aus "Der Geizige“ von Molière und lebte in einem Labyrinth der Erinnerungen.
Der große Harald Juhnke starb schließlich am 1. April 2005.
Vor seinem Mahagonisarg in der Berliner Gedächtniskirche trauern 800 Freunde. Vor der Kirche weinen 1000 Fans.
Sein kongenialer Freund Thomas Gottschalk (heute 74) lächelte traurig:
"Dies ist die Woche, in der ein toter Märchenfürst aufgebahrt in Monaco liegt, in der wir den Nachfolger Petri zu Grabe getragen haben und in der wir uns von Deutschlands größtem Entertainer verabschieden müssen.
Fast scheint es, als sei der liebe Gott es leid gewesen, sich im Himmel unter seinem Niveau amüsieren zu müssen.“
Anmerkung: Papst Johannes Paul II. war einen Tag nach Juhnke gestorben. Fürst Rainier III. von Monaco (†81) fünf Tage später...
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Ein ambitioniertes Vorhaben zur filmischen Würdigung des legendären Entertainers musste bereits im Vorfeld aufgegeben werden.
Das jahrelang vom RBB vorangetriebene Projekt eines biografischen Zweiteilers scheiterte 2021 an der Finanzierung.
Wie der Sender gegenüber der "Bild am Sonntag" erklärte, wurde die Produktion "auf unbestimmte Zeit verschoben", da die Kosten trotz eines überzeugenden Skripts "den finanziellen Rahmen weit überschritt".
Kurz vor dem 20. Todestag des Künstlers initiierte das Bezirksparlament Charlottenburg-Wilmersdorf einen Eilantrag zur Umbenennung einer Ecke des Kurfürstendamms nach dem berühmten Entertainer.
Die angestrebte zeitnahe Realisierung erwies sich jedoch aufgrund bürokratischer Hürden als nicht umsetzbar... 🙈
Nach Informationen des "Tagesspiegel" erläuterte das Bezirksamt die aktuelle Situation wie folgt:
"Da es sich um eine Teil-Umbenennung des Kurfürstendammes handelt, muss zunächst die genaue Fläche festgelegt werden, die dem Harald-Juhnke-Platz zugeordnet werden soll."
Zusätzlich bedürfe es der Zustimmung weiterer Bezirke sowie einer dreimonatigen Bekanntmachung im Amtsblatt.
Mit der offiziellen Einweihung sei daher frühestens in etwa fünf Monaten zu rechnen...
Deutlich erfolgreicher gestaltet sich die kulturelle Würdigung des Entertainers durch die Berliner Kunstszene.
Zahlreiche Prominente, darunter Ben Becker, Daniela Ziegler, Dieter Hallervorden und Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit, versammeln sich am 1. April im traditionsreichen "Wintergarten" zu einer festlichen Gedenkgala.
Die Moderation übernimmt der Schauspieler und Sänger Felix Martin, ein ausgewiesener Verehrer des verstorbenen Künstlers.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner wird bei den Feierlichkeiten erwartet.
In seiner offiziellen Stellungnahme würdigte er den Verstorbenen:
"Harald Juhnke war einer der größten Entertainer Deutschlands und ist als Schauspieler, Sänger und Showmaster in Berlin unvergessen.
Mit seinem Witz und seiner Nonchalance hat er sich in die Herzen von Millionen von Menschen gespielt."